Argument

Europa muss Flüchtlingen humanitäre Visa erteilen

Heute werden weltweit mehr als 60 Millionen Menschen durch Krieg, Gewalt und Verfolgung vertrieben. Das ist die höchste, jemals erreichte Zahl seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Lediglich eine Minderheit hat Zuflucht in Europa oder in der industrialisierten Welt gefunden: Derzeit werden 86% der Flüchtlinge in Ländern des Südens aufgenommen.

Seit dem Jahr 2000 haben im Mittelmeer beim Versuch, Europa zu erreichen, mehr als 32.000 Menschen das Leben verloren, davon 3700 allein 2015. Europa ist heutzutage weltweit das gefährlichste Ziel für Flüchtlinge und Migranten. Trotzdem wendet eine Migrantenfamilie im allgemeinen beträchtliche Summen auf, um den europäischen Kontinent zu erreichen. Dieses Geld finanziert die Schlepper, die dank der Flüchtlinge seit 2000 mehr als 15 Mio. Euro verdient haben.

Und doch gibt es eine einfache Lösung, um das Leiden zu beenden, das die Flüchtlinge ertragen müssen, um nach Europa zu gelangen. Eine Lösung, die dem Aufnahmeland viele Vorteile bringen würde, die aber heute niemand in Erwägung zu ziehen scheint. Sie würde darin bestehen, denjenigen, die vor dem Krieg fliehen, humanitäre Visa zu erteilen, und damit echte humanitäre Korridore schaffen, um den Flüchtlingen zu ermöglichen, den Schutz zu finden, der ihnen legitimerweise und rechtlich zusteht.

Die Erteilung humanitärer Visa und die Erlaubnis, mit dem Flugzeug einzureisen, würde für die Flüchtlinge vor allem bedeuten, dass sie lebend ankommen. Dass sie unter menschenwürdigen Bedingungen ankommen, besser aufgenommen werden und sich damit möglicherweise besser in Europa integrieren würden. Dies bedeutet auch, die Schwächsten zu schützen und diese unerträgliche Diskriminierung zu stoppen, dass sich nur die Reichsten Schutz und Sicherheit leisten können.

Eines der vorrangigen Ziele der Europäischen Union besteht heute in der Bekämpfung illegaler Netzwerke von Schleppern und Menschenhändlern. Wenn Flüchtlinge dank eines humanitären Visums mit dem Flugzeug ankommen können, sind sie nicht mehr von Schleppern abhängig, und es würde für diese keine Geschäftsgrundlage mehr geben. Das Fehlen eines humanitären Korridors schafft die Bedingungen für das Geschäft der Schlepper.

Der Preis für ein Flugticket nach Europa ist für die Flüchtlinge unendlich billiger als der einer Überfahrt im Boot. Um Europa zu erreichen haben viele ihre gesamten Ersparnisse den Schleppern überlassen. Allerdings würden sie dieses Geld benötigen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und in Europa ein neues Leben zu beginnen oder um ihre Existenz in ihrem Herkunftsland wieder aufzubauen, sobald eine Rückkehr möglich ist. Den Flüchtlingen zu erlauben, mit dem Flugzeug einzureisen, würde ihnen auch erlauben, nicht wirtschaftlich ruiniert nach Europa zu kommen und würde die Rückkehr in das Herkunftsland fördern.

Die Befürchtung, dass sich potenzielle Terroristen unter die Flüchtlinge mischen könnten, ist heute stärker denn je: Die Vergabe humanitärer Visa würde die Überprüfung der Identität der Personen erlauben, bevor sie im Aufnahmeland ankommen, und somit deutlich die Gefahr des Terrorismus reduzieren. Dies ist zurzeit bei der Ankunft der Flüchtlinge mit dem Boot an Orten mit unzureichenden Aufnahmebedingungen nicht möglich.

Die Ankunft der Flüchtlinge hat in Europa zu einer beispiellosen politischen Krise geführt: Die ersten Länder, in denen die Flüchtlinge ankommen – Italien, Griechenland und Ungarn – , werden von den Ereignissen überrollt. Humanitäre Visa zu gewähren und den Flüchtlingen zu erlauben, mit dem Flugzeug anzukommen, würde auch zu einer besseren Ausgewogenheit zwischen den Zielländern der Flüchtlinge und den Ländern, die sie aufnehmen wollen, führen. Dies würde erlauben, die Flüchtlinge innerhalb Europas besser zu verteilen und die Zonen der ersten Aufnahme entlasten. Dies würde es schließlich ermöglichen, eine wirklich europäische Antwort auf die Krise zu geben, die dem politischen Projekt Europas gerecht wird.

Wenn wegen des Umgangs mit der Krise zurecht mit dem Zeigefinger auf Europa gezeigt worden ist, sollte die Nachlässigkeit der EU nicht dazu führen, die Gleichgültigkeit anderer Länder zu vergessen, die ebenso Flüchtlinge aufnehmen können.  So könnten andere Länder humanitäre Visa vergeben und Europa wäre nicht mehr allein bei der Bewältigung dieser Situation.

Aus all diesen Gründen sind wir der Meinung, dass die humanitären Visa eine pragmatische und vernünftige Lösung darstellen, die eine sichere Überfahrt ermöglicht, damit kein Flüchtling bei der Suche nach Schutz den Tod findet. Dies ist dringlich.

(Fr) Appel de Neuchâtel

Leider ist der Eintrag nur auf Französisch verfügbar.

Médias – Appel de Neuchâtel

INVITATION AUX MÉDIAS (version PDF)

(version PDF)

Conférence de presse
21 juin 2016
14 h 00

Hôtel Alpes et Lac
Neuchâtel

Intervenants

Pr Cesla Amarelle, professeure de Droit, conseillère nationale

Dr Bernard Borel, président Médecins du Monde Suisse

Mme Ruth Dreifuss, ancienne présidente de la Confédération

M. François Gemenne, chercheur et spécialiste des flux migratoires

Dr Thomas Nierle, président Médecins Sans Frontières Suisse

Mme Manon Schick, directrice Amnesty Suisse

Modération

Pr Nago Humbert, président fondateur Médecins du Monde Suisse

Contact

Antoine Morata, responsable communication Médecins du Monde,

0041 (32) 725 36 65, antoine.morata@medecinsdumonde.ch

 

 

(Fr) Médecins du Monde

(Fr) Amnesty International

(Fr) Destination Unknown / Fédération Terre des hommes

(Fr) Handicap International

(Fr) Solidarité Sans Frontières

(Fr) CFD

(Fr) Coordination asile.ge

(Fr) Aravoh

(Fr) Vivre ensemble

(Fr) Centre de Contact Suisses-Immigrés

(Fr) Solidarité avec la Grèce

(Fr) Solidar

(Fr) Médecins du Monde

(Fr) Amnesty International

(Fr) Destination Unknown / Fédération Terre des hommes

(Fr) Handicap International

(Fr) Solidarité Sans Frontières

(Fr) CFD

(Fr) Coordination asile.ge

(Fr) Aravoh

(Fr) Vivre ensemble

(Fr) Centre de Contact Suisses-Immigrés

(Fr) Solidarité avec la Grèce

(Fr) Solidar

Petition

2155 Unterstützer/innen auf Change.org

Noch 345 Unterstützer/innen auf Change.org bis zum 2500-Meilenstein.

Europa muss Flüchtlingen humanitäre Visa erteilen


Die Ankunft der Flüchtlinge hat in Europa zu einer beispiellosen politischen Krise geführt: Die ersten Länder, in denen die Flüchtlinge ankommen – Italien, Griechenland und Ungarn – , werden von den Ereignissen überrollt. Humanitäre Visa zu gewähren und den Flüchtlingen zu erlauben, mit dem Flugzeug anzukommen, würde auch zu einer besseren Ausgewogenheit zwischen den Zielländern der Flüchtlinge und den Ländern, die sie aufnehmen wollen, führen. Dies würde erlauben, die Flüchtlinge innerhalb Europas besser zu verteilen und die Zonen der ersten Aufnahme entlasten. Dies würde es schließlich ermöglichen, eine wirklich europäische Antwort auf die Krise zu geben, die dem politischen Projekt Europas gerecht wird. Eines der vorrangigen Ziele der Europäischen Union besteht heute in der Bekämpfung illegaler Netzwerke von Schleppern und Menschenhändlern. Wenn Flüchtlinge dank eines humanitären Visums mit dem Flugzeug ankommen können, sind sie nicht mehr von Schleppern abhängig, und es würde für diese keine Geschäftsgrundlage mehr geben. Das Fehlen eines humanitären Korridors schafft die Bedingungen für das Geschäft der Schlepper. Aus all diesen Gründen sind wir der Meinung, dass die humanitären Visa eine pragmatische und vernünftige Lösung darstellen, die eine sichere Überfahrt ermöglicht, damit kein Flüchtling bei der Suche nach Schutz den Tod findet. Dies ist dringlich.